Fairness oder Betrug

Verfasst von: Marc Mühleis
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Jeden Tag können wir uns entscheiden, ob wir fair mit unseren Mitmenschen umgehen oder ob wir sie betrügen. Sicher, betrügen ist ein starkes Verb, sogar strafrechtlich gewürdigt in § 263 STGB. Aber, ob wir es nun betrügen im weitesten Sinne nennen, ob wir hinters Licht führen dazu sagen, oder es als die Wahrheit kreativ umschreiben bezeichnen oder als in der Gesellschaft sich durchzusetzen verstehen, ist letztlich nicht entscheidend.

Denn all die genannten Beschreibungen haben eines gemeinsam: Sie zeigen nur unser selbstsüchtiges Verhalten, zeigen, dass es uns offensichtlich immer schwerer fällt, fair zu unseren Mitmenschen zu sein. Wir sehen das beispielsweise täglich im Straßenverkehr. Wo so viele versuchen, wegen ein bißchen schneller Vorankommens, dem anderen die Vorfahrt zu nehmen. Ihn beiseite drängen, manchmal sogar handgreiflich werden, durch überhöhte Geschwindigkeit nicht selten sogar Menschenleben ernsthaft gefährden oder auslöschen. Wir sehen das unfaire Verhalten aber auch an Supermarktschlangen, wo nicht nur einige wenige sich vorbei drängeln, wegen ein bißchen mehr Zeitgewinn. Oder, wenn einer nur eine Banane hat, wir so selten auf die Idee kommen, ihn/ sie vorzulassen.

fair bleiben (Bild: Marcus Mühleis)

Man sieht dieses unfaire Verhalten Mitmenschen gegenüber aber auch an Tankstellen. Wo Tankstellenpächter von den Mineralölkonzernen gezwungen werden, bis zu 10 Mal täglich die Preise für Benzin und Diesel zu verändern und der Einzelne ohne App gar nicht die Möglichkeit mehr hätte einen fairen Preis zu bekommen. Man erkennt diese Betrugsmasche aber auch beispielsweise im Bio-Markt wo Käse, Konfitüre -und Milchprodukt-Verpackungen zwar wie immer gleich aussehen, nur leider der Inhalt sowie die aufgedruckte Mengenangabe mal eben um 20 % reduziert wurde. Bei gleichem Preis versteht sich. Was wiederum einer zwanzig prozentigen Preiserhöhung entspricht. Das selbstsüchtige Verhalten ist aber auch beim Online Dating klar auszumachen, wo mit Angaben, Avatar-Profilen auf anderen Portalen gelogen und betrogen wird, was das Zeug hält.

unfaires Verhalten (Bild: Marcus Mühleis)

Auch im Buchhandel und von Verlagsseite ist dieses unfaire Behandeln klar zu erkennen. Gerade dort, wo immer Literaturfeind Nr. 1, der Online Händler Amazon kräftig Prügel bezieht, weil er angeblich alleine für den Niedergang der Buchläden und den Konkurs kleiner Verlage zuständig sein soll. Dabei wird leider der Autor vergessen, der nur bei Amazon ( ...der aber seine Mitarbeiter noch fairer behandeln muss) mit ca. 25-35 % vom Buchpreis eben deutlich fairer behandelt wird, als dies beim Verlag mit dessen lächerlichen 10 % der Fall ist, sofern man noch nicht Superstar Status als Autor erreicht hat. 70 % des Buchpreises für den Verlag, 20 % für den Buchladen und 10 % für den Autor, ohne den die beiden anderen nichts hätten. Das ist die romantische betrügerische Wirklichkeit. Wer das fair nennt, nun ja.

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Aber die Verlage haben für ihre gierigen 70% durchaus geschmeidige Argumente: Marketing, Lektorat, Mitarbeiter und Raumieten, das kostet eben. Früher galt das noch für die ersten beiden Punkte, aber heute. Bullshit. Auch die oft zitierte Querfinanzierung. Bullshit. Aber der Autor bekommt doch Vorschuss. Ja, stimmt, muss dann aber oft auch alle anderen Rechte ( Film, Hörbuch etc.) dafür abgeben. Total Buyout nennen die das. Total Gier könnte man aber auch sagen. Doch warum haben wir so Schwierigkeiten mit der Fairness? Weil sie unsere Selbstsucht beleidigt ? Weil sie unsere Gier behindert? Weil Me, Myself and I, die neue Religion ist, der so viele huldigen? Dabei ist es so einfach. Fairness befreit von schlechtem Gewissen, von schlechtem Karma, läßt dich mehr lächeln, macht dich glücklicher. Seien Sie beim nächsten Mal fair. Es lohnt sich.

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Artikelsignatur: Marc Mühleis | Autoren-Ressort: Mrey.reporters.de
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