Ein Hauch von Upper Class

Verfasst von: Marion Wolters
Zwei Glasgebäude, die durch einen in zwei Meter Höhe erbauten Swimmingpool verbunden sind. Durch Solarzellen mit Licht und Wärme versorgt werden. Eine Dachterasse, die an einen Garten am Nil erinnert. Teiche, in denen Fische aus dem japanischen Kaiserteich schwimmen. Die Großzügigkeit der Anlage lässt auf die Geisteshaltung des Besitzers schließen. Ein Beispiel wie man sie erschließen und dabei einen Hauch der Upper Class genießen kann.

Betritt man ein solches Haus, denkt man unwillkürlich an Le Corbusiers "Si le soleil entre dans la maison, il est un peu dans votre coeur." Man entdeckt einen Lichthof, üppig umgeben von unempfindlichem Bambus. Die obligatorischen Steinstatuen, die man in solchen Zusammenhängen klischeehaft findet, sucht man hier vergeblich. Alles eher schlicht gestaltet. Wer eintritt, erhält die Einladung, wahlweise enttäuscht oder erstaunt zu sein. Geht man weiter denkt man an "Le Souvenir de Mauve". Nicht Van Goghs Gemälde, sondern an ein Album, auf dem auch die japanische Underground Musikerin Reiko Kudo mitgewirkt hat. An "We maybe" und ihren zerbrechlichen, kompromisslosen Gesang. Ein existentielles Thema in einem experimentell-minimalistischen Arrangement.

In diesem Haus ist jeder Raum ein Traum von einer eigenen beseelten Welt. Nur zu leicht ist man versucht, die unbekannten Kunstwerke genauer zu betrachten und sie kunsthistorisch einzuordnen, entscheidet sich jedoch dies nicht zu tun, verweilt im Augenblick. Wie wäre es, in den Dialog mit den natürlichen und naturbelassenen Materialien der Möbeln einzutreten indem man sie nutzt, ihnen eine persönliche Identität verleiht? In diesen Räumlichkeiten wohnen Menschen, die gerne abseits des Mainstreams leben. Die die eigene Welt fast schüchtern präsentieren und nur einigen Wenigen, da sie Missverständnisse vermeiden möchten.

Die Kultivierung der eigenen Kreativität findet einen sanften, stimmungsvollen Ausdruck in der Farbgebung der Räume. Die Übergänge, die mit humorvollen Assesoires gestaltet sind, korrelieren mit einer global ausgerichteten Geisteshaltung. Die "Clientèle ohne Namenschild" muss niemanden um Erlaubnis oder Rat fragen. Sie kann sich Stil- und Regelbrüche erlauben ohne respektlos zu sein. Rebellen, die niemals als solche erkannt werden. Denn ihr Verhalten ist weder darauf angelegt noch wird es öffentlich bekannt. Die Liebe zur Natur erkennt man in der Integration der Anlage, man befindet sich mitten in ihr. Das Wohnzimmer mit gläsernem Fußboden schwebt über einem Teich, eine japanische Holzbrücke führt direkt an den Privatstrand an der französischen Riviera.

Man kann diese Welt für sich entdecken. Gelegenheiten ergeben sich schon mal. Wer den Zutritt gewährt bekommt, kann sich als reich beschenkt betrachten, als privilegiert oder einfach nur als interessiert. Hält man sich dort länger auf, lernt man die unbedingte Diskretion kennen, die smarte Weise, mit der Probleme gelöst werden. Ebenso die Losgelöstheit dieser Gesellschaftsschicht von den Alltäglichkeiten der Mehrheit der Menschheit. Vielleicht wird man auch von den Möglichkeiten begeistert sein, die diese finanzielle und dadurch bedingte geistige Freiheit und Unabhängigkeit bietet. Die Faszination mag nachlassen (weil man auch die Schattenseiten sieht) oder nachhaltig prägen. "Si le soleil entre dans la maison, il est un peu dans votre coeur?" https://www.bod.de/buchshop/portrait-marion-wolters-9783756203109

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