Annette Homann eröffnet Berliner Musikspektakel
Bereits zu Beginn des Berlin Tattoo richteten sich die Blicke vieler Zuschauer nach oben. Unter den Lichtkegeln der Hallendecke schwebte die Geigerin Annette Homann aus Hannover über dem Orchester und eröffnete den Abend. Großbildschirme übertrugen den Auftritt in die gesamte Arena, begleitet von Bühnennebel und der aufwendigen Lichtinszenierung. Während Annette Homann über dem Orchester spielte, verfolgten die Zuschauer die Darbietung sowohl auf der Veranstaltungsfläche als auch auf den Videoleinwänden. Direkt im Anschluss übernahmen die International Celtic Pipes & Drums die Veranstaltungsfläche. Die markanten Klänge von Dudelsäcken und Trommeln erfüllten die Max-Schmeling-Halle.
Nach der Eröffnung marschierten die International Celtic Pipes & Drums auf die Veranstaltungsfläche und eröffneten den ersten Formationsblock des Abends. Trommler und Dudelsackspieler bewegten sich in geschlossenen Formationen über die Arena. Mit dem Orchester der Litauischen Marine und dem Musikkorps des türkischen Marinekommandos folgten zwei Formationen, die militärmusikalische Traditionen ihrer Heimatländer präsentierten. Die Formationen bewegten sich in präzise abgestimmten Abläufen über die Veranstaltungsfläche. Anschließend trat die Lucerne Marching Band der Feldmusik Luzern aus der Schweiz auf. Präzise Bewegungsabläufe und abgestimmte Formationen bestimmten das Bild dieses Programmteils. Den Abschluss des ersten Veranstaltungsblocks gestalteten die Polizeimusik Steiermark gemeinsam mit Geigerin Annette Homann aus Hannover, bevor die Besucher in die rund zwanzigminütige Pause
Nach der Pause präsentierte der Original Marinechor „Blaue Jungs aus Bremerhaven“ sein maritimes Repertoire. Die Darbietung setzte auf traditionelle Seemannslieder und klassischen Chorgesang. Die Reaktionen im Publikum fielen dabei zurückhaltender aus als bei einigen anderen Programmpunkten des Abends. In Gesprächen auf den Rängen war vereinzelt zu hören, dass sich Besucher mehr Dynamik im Programm gewünscht hätten. Freundlicher Applaus begleitete den Auftritt dennoch bis zum Schluss. Anschließend trat ein Trompetensolist des Zentralorchesters der Ungarischen Streitkräfte mit einem Solobeitrag in den Mittelpunkt des Programms und leitete den Wechsel zu den folgenden Darbietungen ein.
Später im Programm waren die International Celtic Pipes & Drums erneut auf der Veranstaltungsfläche zu sehen. Die charakteristischen Klänge der Dudelsäcke und Trommeln erfüllten erneut die Max-Schmeling-Halle. Begleitet wurden einzelne Programmteile von Tanzdarbietungen. Auch die italienische Formation La Frustica brachte folkloristische Elemente und traditionelle Rhythmen auf die Fläche. Zwischen Militärmusik, Folklore, Tanz und Dudelsackklängen wechselten die Programmpunkte mehrfach ihren musikalischen Charakter und zeigten unterschiedliche Traditionen der teilnehmenden Formationen. Die Kombination aus musikalischen Darbietungen, Choreografien und Formationswechseln sorgte dabei immer wieder für neue Bilder auf der Veranstaltungsfläche. Gerade die unterschiedlichen kulturellen Einflüsse der beteiligten Gruppen machten diesen Abschnitt des Programms zu einem abwechslungsreichen Teil des Abends.
Zu den auffälligsten Programmpunkten des Abends gehörte die niederländische Formation Door Vriendschap Sterk aus Katwijk. Bereits beim Einmarsch richteten sich zahlreiche Blicke auf die Formation. Während der Darbietung waren wiederholt spontane Applausreaktionen aus dem Publikum zu hören. Die Formation zeigte über den gesamten Auftritt hinweg präzise abgestimmte Bewegungsabläufe. Kaum eine andere Gruppe wurde an diesem Abend so häufig mit Zwischenapplaus bedacht wie die Musiker aus den benachbarten Niederlanden. Einzelne Dudelsackspieler bewegten sich während ihrer Auftritte zwischen den Zuschauerrängen und suchten den direkten Kontakt zum Publikum.
Im Finale versammelten sich alle beteiligten Formationen vor der Kulisse des Brandenburger Tors zu einem gemeinsamen Schlussbild. Zum Abschluss erklangen unter anderem „Adieu mein kleiner Gardeoffizier“ und „Conquest of Paradise“. Bei „Amazing Grace“ veränderte sich die Atmosphäre in der Max-Schmeling-Halle spürbar. Binnen weniger Sekunden kehrte eine bemerkenswerte Stille ein. Gespräche verstummten, selbst auf den Tribünen war kaum noch Bewegung wahrzunehmen. Die Stille hielt bis zum Ende des Stücks an und war in der gesamten Halle deutlich wahrnehmbar. Nach „Amazing Grace“ folgte mit „Pomp and Circumstance“ ein deutlich kraftvollerer Schlussabschnitt, bevor zum traditionellen Ausmarsch die „Berliner Luft“ erklang. Unter langanhaltendem Applaus verabschiedeten sich die Mitwirkenden von ihrem Publikum.


